Hirsutismus

Was ist Hirsutismus?

Hirsutismus bezeichnet die Umwandlung von feinen, weichen, nicht pigmentierten Vellushaar in dicke, pigmentierte Terminalhaare in androgenabhängigen Körperregionen. Hirsutismus betrifft etwa 5-10% der Frauen im gebärfähigen Alter. Hirsutismus kann das einzige Anzeichen eines Androgenanstiegs sein oder zusammen mit Akne und androgener Alopezie auftreten. Strukturell gibt es drei Haartypen: Lanugohaare sind weiche, nicht pigmentierte Haare, die den Körper des Fötus bedecken und in den ersten Monaten nach der Geburt verschwinden. Vellushaare sind etwas größere, nicht pigmentierte, weiche Haare, die in den nicht androgenabhängigen Körperregionen vorkommen. Terminalhaare hingegen sind lange, pigmentierte Haare. Hirsutismus bei Frauen ist ein Zustand übermäßigen und dicken Haarwachstums in normalerweise männlichen Regionen (wie Schnurrbart und Kinn im Gesicht, Brust, Rücken, Bauch, Gesäß und Innenseiten der Oberschenkel). Dieser Zustand kann die Lebensqualität und das Selbstvertrauen von Frauen erheblich beeinträchtigen. Obwohl die Körperbehaarung von Person zu Person und je nach ethnischer Zugehörigkeit variiert, äußert sich Hirsutismus durch eine deutliche Zunahme dunkler und harter Haare. Die Behaarung in den Achselhöhlen und im Genitalbereich kann ebenfalls ein männliches Verteilungsmuster aufweisen.

Was sind die Ursachen von Hirsutismus?

Der weibliche Körper enthält natürlicherweise geringe Mengen männlicher Geschlechtshormone (Androgene). Ein Anstieg der Androgenspiegel oder eine übermäßige Reaktion der Haarfollikel auf diese Hormone kann jedoch zu Hirsutismus führen.

Die häufigsten und wichtigsten Ursachen für Hirsutismus sind:

  • Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Diese hormonelle Störung ist für die Mehrheit der Hirsutismusfälle (bis zu 80%) verantwortlich und führt zu einer erhöhten Androgenproduktion in den Eierstöcken. PCOS kann sich auch mit zusätzlichen Symptomen wie Menstruationsstörungen, Akne und Haarausfall äußern.
  • Kongenitale Adrenale Hyperplasie (CAH): Die kongenitale adrenale Hyperplasie ist eine genetische Erkrankung, die durch eine Mutation im CYP2A2-Gen verursacht wird, welche zu einer verminderten 21α-Hydroxylase-Enzymaktivierung führt. Im Gegensatz zu den klassischen Formen wie der einfachen virilisierenden und salzverlierenden Form beginnt bei der spät einsetzenden kongenitalen adrenalen Hyperplasie (LOCAH) Hirsutismus und ein unregelmäßiger Menstruationszyklus mit der Menarche. Bei LOCAH treten Hirsutismus, Menstruationsstörungen oder primäre Amenorrhoe ohne Anzeichen einer Nebenniereninsuffizienz auf. Abhängig von rassischen und genetischen Unterschieden macht sie 1,6-10% der Hirsutismusfälle aus. Die Diagnose von LOCAH führt zu keinem anderen Ansatz beim Hirsutismus, ist aber wichtig für die genetische Beratung und Fertilität.
  • Cushing-Krankheit: ACTH-sezernierende Hypophysenadenome sind eine seltene, aber wichtige Ursache für Hyperandrogenismus. Neben den Symptomen der Cushing-Krankheit wie zentraler Adipositas, Büffelhöcker, Striae und leichter Blutergussbildung tritt Hirsutismus bei 80% der Fälle auf. Neben Hirsutismus können auch Akne, männlicher Haarausfall und Menstruationsstörungen auftreten.
  • Schwere Insulinresistenz-Syndrome: Bei schweren Insulinresistenz-Syndromen steigt die Androgensekretion aus den Ovarien über Insulinrezeptoren und IGF-1 in den Thekazellen an. Bei Hyperinsulinämie sinkt der SHBG-Spiegel. Obwohl der Gesamt-Testosteronspiegel normal sein kann, kann der freie Testosteronspiegel erhöht sein. Genetische Defekte in den Insulinrezeptoren, Insulinrezeptor-Antikörper, Lipoatrophie und Lipodystrophien verursachen Insulinresistenz.
  • Idiopathische Hyperandrogenämie: Dies ist ein Zustand, bei dem klinische und biochemische Anzeichen und Symptome von Hyperandrogenismus vorliegen, aber normale Ovulationszyklen und eine normale Ovarialstruktur vorhanden sind. Bei einigen Frauen kann es trotz normaler Serum-Androgenspiegel zu einer erhöhten Aktivität von Steroiden kommen.
  • Iatrogene Hyperandrogenämie: Anabole Androgene können zur Steigerung der sportlichen Leistung, zur Erhöhung der Libido oder zur kosmetischen Körpermodellierung eingesetzt werden. Diese oral, parenteral oder transdermal verwendeten anabolen Androgene führen zu Akne vulgaris, Hirsutismus, Striae und seborrhoischen Hautveränderungen.
  • Idiopathischer Hirsutismus: Ein Zustand, bei dem außer Hirsutismus keine klinischen oder Laboranzeichen von Hyperandrogenismus vorliegen und normale Ovulationszyklen sowie eine normale Ovarialstruktur bestehen, wird als idiopathischer Hirsutismus bezeichnet. Er macht etwa 5-20% der Frauen mit Hirsutismus aus.
  • Medikamenteneinnahme:
    • Bestimmte hormonelle Therapien (z.B. progestogenhaltige Verhütungsmittel).
    • Medikamente, die männliche Hormone enthalten, wie anabole Steroide.
  • Genetische Faktoren und erbliche Erkrankungen:
    • Metabolische Störungen, die zu einem Ungleichgewicht in der Hormonproduktion des Körpers führen, wie z.B. die angeborene Adrenale Hyperplasie.
    • In einigen Familien kann eine erhöhte Haar-Empfindlichkeit aufgrund ethnischer Herkunft beobachtet werden.
  • Hormonproduzierende Tumore:
    • Obwohl selten, können Tumore an den Nebennieren oder Eierstöcken, die übermäßig männliche Hormone produzieren, zu Hirsutismus führen. In solchen Fällen beginnt die Behaarung oft plötzlich und nimmt schnell zu.
  • Adipositas: Übergewicht kann das Hormongleichgewicht im Körper beeinflussen und zu einem Anstieg der Androgenspiegel beitragen.

Insbesondere bei Frauen mit leichten Symptomen (bis zu 50%) oder bei 20% derjenigen mit schwerem Hirsutismus kann keine eindeutige Ursache gefunden werden.

Was sind die Symptome von Hirsutismus?

Hirsutismus äußert sich bei Frauen typischerweise durch übermäßiges Wachstum dicker und dunkler Haare in männlichen Körperregionen. Die am häufigsten betroffenen Bereiche sind:

  • Gesicht: Besonders Kinn und Oberlippe („Schnurrbart“-Aussehen).
  • Rücken und Brust.
  • Bauch und Oberschenkel: Ausbreitung der Genitalbehaarung zum Oberbauch oder zu den Innenseiten der Oberschenkel.
  • Achselhöhlen: Verlängerung der Haare bis zu den inneren Oberarmen.

Wenn Hirsutismus auf ein hormonelles Ungleichgewicht zurückzuführen ist, können zusätzlich zu dieser übermäßigen Behaarung weitere Symptome auftreten:

  • Akne (Pickel)
  • Menstruationsstörungen (unregelmäßige oder seltene Periodenblutungen)
  • Haarausfall (oft männlicher Haaraarausfall am Oberkopf)
  • Verdickung der Stimme
  • Zunahme der Muskelmasse
  • Vergrößerung der Klitoris (Virilisierungszeichen)

Wie wird Hirsutismus Diagnostiziert?

Die Diagnose von Hirsutismus beginnt mit einer detaillierten körperlichen Untersuchung und der Erfassung Ihrer Krankengeschichte durch Uzm. Dr. Burcu Meryem Atak Sançmış. Ziel ist es, die Schwere der übermäßigen Behaarung zu bestimmen und die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren.

Im Diagnoseprozess werden folgende Schritte befolgt:

  • Körperliche Untersuchung:
    • Unsere Ärztin beurteilt das übermäßige, harte und dunkle Haarwachstum in Bereichen wie Gesicht, Brust, Bauch, Rücken, Gesäß und Innenseiten der Oberschenkel.
    • Gleichzeitig wird geprüft, ob Anzeichen von Virilisierung vorliegen, wie Akne, Haarausfall, Zunahme der Muskelmasse oder Klitorisvergrößerung.
    • Zur Messung der Hirsutismus-Schwere kann das Ferriman-Gallwey-Bewertungssystem verwendet werden. In diesem System werden die Grade der Behaarung in bestimmten Körperregionen bewertet.
  • Medizinische Anamnese und Systemische Beurteilung:
    • Informationen über die Regelmäßigkeit Ihres Menstruationszyklus, Änderungen Ihres Körpergewichts und die von Ihnen verwendeten Medikamente werden eingeholt.
    • Es wird auch abgefragt, ob in Ihrer Familie eine Geschichte von übermäßiger Behaarung vorliegt.
    • Es wird nach Symptomen gesucht, die auf andere mögliche Grunderkrankungen (wie Diabetes, Essstörungen, Cushing-Syndrom) hindeuten könnten.
  • Labortests:
    • Die Spiegel männlicher Hormone (Androgene) im Blut werden gemessen. Dazu gehören Hormone wie freies und Gesamt-Testosteron sowie DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat).
    • Bei Bedarf können auch die Spiegel von FSH (follikelstimulierendes Hormon), LH (luteinisierendes Hormon) und Prolaktin bestimmt werden.
    • Je nach Verdacht Ihrer Ärztin können zusätzliche Tests, wie der 24-Stunden-Urin-Freikortisoltest zur Beurteilung der Nebennierenfunktion, angefordert werden.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Wenn Hormontestergebnisse oder körperliche Untersuchungsbefunde den Verdacht auf einen Tumor wecken (insbesondere wenn die Testosteron- oder DHEAS-Spiegel sehr hoch sind), können bildgebende Verfahren wie Becken- und Bauchultraschall, CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) eingesetzt werden, um das Vorhandensein von Massen in den Eierstöcken oder Nebennieren zu prüfen.

Wie wird Hirsutismus Behandelt?

Die Behandlung von Hirsutismus richtet sich danach, wie stark die Person unter der übermäßigen Behaarung leidet und welche zugrunde liegende Ursache vorliegt. In leichten Fällen ist eine medikamentöse Behandlung möglicherweise nicht immer notwendig, während viele Frauen Linderung durch kosmetische Methoden suchen.

Die Behandlungsansätze umfassen:

  • Kosmetische und physikalische Haarentfernungsmethoden:
    • Temporäre Methoden: Zuhause anwendbares Rasieren, Wachsen, Zupfen, Enthaarungscremes oder bleichende Cremes (die Wasserstoffperoxid enthalten), die die Haare weniger sichtbar machen. Da die Haarfollikel bei diesen Methoden nicht geschädigt werden, wachsen die Haare nach einer gewissen Zeit wieder nach.
    • Dauerhafte/Langfristige Methoden: Professionelle Anwendungen, die auf die Haarfollikel abzielen, um das Nachwachsen zu reduzieren oder zu stoppen. Dazu gehören:
      • Photoepilation (Laser-Epilation): Verwendet Lichtenergie, um die Haarfollikel zu schädigen.
      • Elektrolyse: Zerstört die Haarfollikel mittels elektrischem Strom. Bei beiden Methoden sind mehrere Sitzungen erforderlich, und Nebenwirkungen können auftreten.
  • Medikamentöse Behandlung (Hormonelle und Antiandrogene Therapien): Wenn Hirsutismus schwerwiegend ist oder ständig wiederkehrt, kann eine medikamentöse Behandlung hilfreich sein. Diese Therapien erfordern in der Regel eine langfristige Anwendung (mindestens 6 Monate), da ihre Wirkungen erst mit der Zeit eintreten.
    • Orale Kontrazeptiva (Antibabypillen): Östrogen- und Gestagen-haltige Antibabypillen wirken, indem sie die Androgensekretion aus den Eierstöcken reduzieren und die freien Testosteronspiegel senken. Diese Methode ist eine geeignete Erstlinientherapie für Frauen, die keine Schwangerschaft planen.
    • Antiandrogene Medikamente: Dies sind Medikamente, die die Wirkung von Androgenen im Körper blockieren (z.B. Spironolacton oder Finasterid). Da diese Medikamente unerwünschte Wirkungen auf einen männlichen Fötus haben können, sollten sie bei Frauen mit Fortpflanzungspotenzial in Kombination mit einer Empfängnisverhütung angewendet werden.
    • Andere Medikamente: Selten können Kortikosteroide zur Unterdrückung einer übermäßigen Androgenproduktion aus den Nebennieren oder, unter Aufsicht eines Spezialisten, Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Agonisten bei schwerem ovariellen Hyperandrogenismus eingesetzt werden.
  • Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung:
    • Wenn Hirsutismus durch einen Tumor, das Cushing-Syndrom oder eine andere hormonelle Störung verursacht wird, ist die Behandlung dieser zugrunde liegenden Erkrankung von grundlegender Bedeutung. Bei Bedarf können Medikamente geändert oder abgesetzt werden.

Der Behandlungsverlauf von Hirsutismus ist individuell. Uzm. Dr. Burcu Meryem Atak Sançmış wird die möglichen Vorteile und Risiken ausführlich mit Ihnen besprechen und Ihnen die besten Behandlungsoptionen anbieten.

Häufig Gestellte Fragen

Hirsutismus ist das übermäßige Wachstum von dunklen und dicken Haaren in männlichen Körperregionen (wie Gesicht, Brust, Rücken) bei Frauen und ist typischerweise mit einem Überschuss an männlichen Hormonen, den Androgenen, verbunden. Hypertrichose hingegen bezieht sich auf ein erhöhtes Haarwachstum an jeder Stelle des Körpers, unabhängig von Androgenen. Hypertrichose kann durch nicht-androgene Ursachen wie bestimmte Medikamente, Schilddrüsenprobleme oder selten Krebs verursacht werden, und die Haare sind in der Regel feiner und heller.

Hirsutismus kann familiär auftreten. Bei einigen Personen kann eine genetische Veranlagung oder ethnische Zugehörigkeit dazu führen, dass die Haarfollikel empfindlicher auf Androgene reagieren. Darüber hinaus können einige genetische Stoffwechselstörungen wie die kongenitale Adrenale Hyperplasie Hirsutismus verursachen, die innerhalb der Familie weitergegeben werden können.

Hirsutismus kann aufgrund der Beeinträchtigung des Aussehens ein erhebliches kosmetisches Problem darstellen und psychologische Auswirkungen haben. Bei Fällen von schwerem Hirsutismus, insbesondere solchen, die plötzlich beginnen oder schnell fortschreiten, kann dies jedoch ein Zeichen für eine zugrunde liegende hormonelle Störung oder einen Tumor sein. Daher sollte Hirsutismus nicht nur als kosmetisches Problem betrachtet, sondern unbedingt von einem Arzt beurteilt werden. Wenn eine zugrunde liegende Gesundheitsstörung vorliegt, ist deren Behandlung für die allgemeine Gesundheit von entscheidender Bedeutung.

Wenn Hirsutismus durch hormonelle Ungleichgewichte wie das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) verursacht wird, kann dies aufgrund von Menstruationsstörungen und Ovulationsproblemen das Schwangerwerden erschweren. Dennoch können viele Frauen mit Hirsutismus, einschließlich derer mit PCOS, mit der richtigen Behandlung und Management schwanger werden. Wenn hormonelle Therapien (z.B. Antibabypillen oder Antiandrogen-Medikamente) angewendet werden, müssen diese vor der Schwangerschaft möglicherweise abgesetzt oder geändert werden.

Was sollte bei der Behandlung von Hirsutismus beachtet werden?

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